Farbgläser

Glasradierung

Nach dem Guss des Glases und seiner langsamen Abkühlung erfolgt die Glasradierung. Diese Aufgabe übernahm Marianne Altmaier.

Zunächst wird die Glasplatte aus der Waagrechten herausgenommen und aufgerichtet. Auf glasradierungAus dem Dialog mit dem Glas entsteht ein Motiv, Marianne Altmaier überträgt den Entwurf auf die eisengrüne Glasplatteeinem Holzgestell wird die gesamte Glasfläche nun mittels einer rotierenden Diamantscheibe unter ständiger Wasserberieselung mattiert. So wird die Durchsicht durch die Glasplatte verhindert; das Glas wird präsenter und substanzieller und zum stummen Gegenüber des Betrachters.

In einem nächsten Schritt geht es darum, das Glas zum „Sprechen“ zu bringen, um seiner Farbe und dem innewohnenden Metall Ausdruck zu geben. Sehr vorsichtig wird Glasstoff aus der Scheibe wegradiert. Langsam zeigen sich Aufhellungen und feine Farbnuancen, die sich je nach Tageslicht anders darstellen – das farbige, durchlichtete Glas beginnt zu leben.

Durch die Entfernung von (Glas-)Substanz kann sich das Tageslicht einen Weg durch den Stoff bahnen. Die einradierten Strukturen treten als nicht stoffliche Lichtqualität in Erscheinung. Marianne Altmaier bezeichnete diesen Entstofflichungsvorgang als Potenzierprozess, durch den die Kräfte der von den Metallen intendierten Farben gesteigert werden.

Weiterhin erfährt das Glas durch die Radierung eine Rhythmisierung: Vertiefte Strukturen wechseln mit erhabenen Glasflächen, horizontale Flächen begegnen vertikalen, runde treffen auf gerade Flächen. Rhythmen entstehen. Das farbige Glas beginnt zu „atmen“, zu „pulsieren“. Durch die Gestaltung von Schwüngen und Aufrechten bilden sich Gebärden der Beruhigung oder der Stimulierung.

Ein Motiv entsteht – und wird zum Wort der jeweiligen Farbe und des Metalls.

Auf diese Weise entwickelte Marianne Altmaier einen Organismus von insgesamt zwölf verschiedenen Metallfarblichtgläsern mit zwölf Grundmotiven.